Der Patrizier

Wir hassen Piraten!

Der Patrizier - Wir hassen Piraten! - Wir müssen reden

Fjalk und Bacon LOrange begeben sich - für Archäologen angemessen - auf eine Zeitreise ins Spätmittelalter und reden über Patrizier von Ascon wobei die folgenden Fragen geklärt werden:

  • Heißen die nicht eigentlich Ascaron?
  • Was ist ein Eldermann?
  • Können eigentlich richtige Wirtschaftskreisläufe mit Angebot und Nachfrage Spaß machen? JA
  • War ein bekannter deutscher Spaßmacher an dem Spiel beteiligt?
  • Hat einer der Archäologen eventuell neben dem Schiffbau oder dem Ersteigern früher auch andere Methoden genutzt um an weitere Schiffe zu kommen?
  • Will das Spiel Bacon brechen, sobald er mehr als ein Schiff besitzt?

In dieser Episode tauchen wir tief in die historische Wirtschaftssimulation "Patricia" ein, die im Spätmittelalter spielt und zu den Klassikern der deutschen Wirtschaftssimulationen zählt. Wir beleuchten die Entwicklung des Spiels, das 1992 von Ascon veröffentlicht wurde, und die damit verbundenen tiefen wirtschaftlichen Mechaniken, die Spieler in die Rolle eines Kaufmanns der Hanse versetzen. Wir diskutieren die grundlegenden Spielziele, angefangen beim Handel mit Waren über die steigende Notwendigkeit von Schiffen bis hin zu den Ambitionen, Bürgermeister oder gar Aeldermann der Hanse zu werden.

Wir schildern, wie das Spiel Spieler dazu anregt, ihre Handelsstrategien zu entwickeln, indem sie sich zwischen den verschiedenen Städten bewegen und verschiedene Waren kaufen und verkaufen. Von den Anfangsentwicklungen bei Ascon, über die unterschiedlichen Spielmodi und Wettbewerbsaspekte im Spiel, wird jeder entscheidende Aspekt angesprochen und analysiert.

Die Episode diskutiert die vielschichtigen Spielmechaniken: die Auswirkung von Angebot und Nachfrage auf die Preisen der Waren, den Kampf mit Piraten und die Bedeutung von Krediten, die essenziell sind, um den Handel und die Expansion zu finanzieren. Darüber hinaus nehmen wir die Sichtweise der Charaktere in den Städten und ihre Interaktionen stellvertretend für historische und soziale Dynamiken der Zeit unter die Lupe.

Wir reflektieren auch über die Langzeitmotivation des Spiels, die sich nicht nur aus dem wirtschaftlichen Aspekt ergibt, sondern auch durch die Einbindung in die politischen Strukturen der Hanse. Feste zu feiern, um das Ansehen zu steigern, und strategische Allianzen zu formen, vermengt mit den Herausforderungen durch Wettereinflüsse und Piraterie, sorgen für eine spannende Spielerfahrung, die nicht nur herausfordernd, sondern auch unterhaltsam gestaltet ist.

Spielname
Der Patrizier, Die Pfeffersäcke
Jahr
1992
Firmen
Ascon, Triptychon Software
Personen
Bernd Ludewig, Henrik Nordhaus, Celal Kandemiroglu, Andreas Hancock, Renate Langenkamper, Jürgen Kersting, Rudolf Stember
Plattformen
Amiga, Atari ST, PC
Startbildschirm von Der Patrizier

Wertungskasten

Amiga Joker Ausgabe: 07/92 System: Amiga Wertung: 85%
ASM Ausgabe: 07/92 System: PC Wertung: 11/12
Play Time Ausgabe: 07/92 System: Atari ST Wertung: 83%
Power Play Ausgabe: 6/93 System: PC Wertung: 76%
Ein kleines Studio aus der kleinen Stadt Minden schickte uns 1992 in die große weite Welt des spätmittelalterlichen Handels und das so erfolgreich, dass sich daraus eine ganze Spieleserie mit dem ein oder anderen Ableger entwickelte.
Als aufstrebender Händler in einer Hansestadt ist unser Ziel der politische Aufstieg. Doch dafür brauchen wir Geld. Viel Geld. Und das können wir, zum Glück, durch kluge Entscheidungen im Fernhandel erlangen.
So schicken wir nach und nach mehr und größere Schiffe zu Nord- und Ostseehäfen, entdecken lukrative Handelsrouten und versorgen die Städte mit benötigten Waren, was nicht nur unsre Truhen mit Silberpfennigen füllt, sondern auch unser Ansehen steigert.
Leider kann man die Piratenüberfälle nicht ausstellen. Wenn ich Piraten will, spiele ich Pirates!
Portrait von Fjalk
Fjalk
Ansehen ist es auch, was uns den Weg zum Bürgermeisteramt und am Schluss zum Titel des Aldermans ebnet. Doch auch die eine oder andere "Spende" an die Ratsherren und Bürgermeister kann dabei hilfreich sein.
Leider klingt das alles viel einfacher als es ist. Denn unser Erfolg hängt auch davon ab, wie gut wir auf Unvorhergesehenes vorbereitet sind. Seien es Piratenangriffe, die wir mit bewaffneten Schiffen abwehren müssen oder Dürren, verheerenden Brände oder Krankheitsausbrüche, die sich direkt auf unsere Geschäfte und die Kaufkraft und Preise in den Städten auswirken.
Doch gerade darin liegt auch der Reiz, Neues zu wagen, andere Routen aufzubauen und in bisher nicht besuchte Städte zu investieren.
Der Werber im Spiel - der sieht einfach total unangenehm aus, den wollte ich meistens nicht nach einer Frau für mich suchen lassen.
Portrait von Bacon L'Orange
Bacon L'Orange

Spiele von Asc(ar)on und anderen zu den Pfeffersäcken

Die Handels- und Wirtschaftssimulationen rund um Der Patrizier und die Port Royale-Reihe gehören zu den klassischen Titeln, die Spieler in die Welt von Handel, Politik und kolonialem Expansionismus entführen. Beide Reihen eint ein klarer Fokus auf den Aufbau eines Handelsimperiums: Man beginnt als kleiner Händler, baut Handelsrouten auf, investiert in Städte und beeinflusst politische Machtverhältnisse, während man gleichzeitig auf Piraterie, Marktschwankungen und Konkurrenz reagiert.
Bei Patrizier dreht sich alles um den Handel zu Zeiten der Hanse im Mittelalter, während Port Royale und in die Karibik führt. Wurden die ersten Spiele noch von Asc(ar)on entwickelt, so wurden die letzen Teile von Kalypso veröffentlicht und von den Gaming Minds Studios entwickelt.
Lasst genug Geld in eurem Kontor - sonst gibt es da gleich einen teuren Kredit. Ich spreche das aus leidvoller Erfahrung, einerseits vor über 30 Jahren und jetzt erneut gemacht
Portrait von Bacon L'Orange
Bacon L'Orange

Machen wir nur Gewinne im Spiel?

Um ein Spiel wie “Der Patrizier” zu mögen, sollte man sich schon generell für Tycoon oder Handelsspiele begeistern können. Dann konnte man damals, aber auch heute viel Spaß mit diesem Spiel haben, da es wesentlich mehr Tiefgang bietet als Vergleichstitel wie “Die Hanse”. Vor allem die dynamischen Preise und die Städte und deren Herstellung von Waren sorgen dafür, dass sich Wirtschaftskreisläufe ändern. Wir können selbst auch in diese aktiv eingreifen und so zum Beleben der Produktion gewisser Waren beitragen. Wir wollen hier einmal wesentlichen Hauptmerkmale des Spiels zusammenfassen.
Historisch eingebettete Wirtschaftssimulation
Mit “Der Patrizier” lernen wir als Spieler das Mittelalter und das Wirken der Hanse im 14. Jahrhundert kennen. Das historische Setting wird dabei mit dynamischen Wirtschaftskreisläufen gepaart.
Komplexe Handelsmechaniken
Das Spiel bietet ein ausgefeiltes System von Angebot und Nachfrage, das echten strategischen Tiefgang verlangt. Faktoren wie Feuer, Krankheiten oder Überfälle haben direkt Einflüsse auf den Reichtum und das Warenangebot der Städte
Wahl des Startorts
Dadurch, dass wir als Spieler, den Ausgangsort wählen können, haben wir einen Einfluss auf den Spielstart und auch teilweise den Verlauf, da die unterschiedlichen Städte aufgrund ihres Warenangebotes beziehungsweise des Reichtums, den Spielablauf auch auf längere Zeit beeinflussen.
Entscheidungsspielraum und Freiheit
Die Entscheidungsfreiheit bei Seerouten, Warenhandel und politischem Streben sorgt für kreative Spielrunden, bei denen häufig keine Partie der nächsten gleicht.
Piraten als dynamisches Spielelement
Piraten können unsere Schiffe und unsere Routen angreifen und uns so Schaden zufügen. Wir können diese aber auch anheuern, indem wir ihnen Schiffe geben und sie quasi für uns kämpfen lassen.
Die Hanse geht auch häufig gegen Piraten an, wenn wir dies unterstützen, so steigen wir im Ruf bei der Hanse auf.
Politische Ziele
Nicht nur Profit zählt, der Patrizier bietet viel mehr als das reine Handeln. Wir wollen Bürgermeister und später sogar Aldermann der Hanse werden. Den Handel dürfen wir dabei aber nicht vernachlässigen, da diese Ämter vor allem mit hohen Ausgaben verbunden sind.
Ausführliches historisches Handbuch
Dem Spiel liegt ein informatives Handbuch bei, das Hintergründe erklärt und zur Spielatmosphäre beiträgt. Genauso wie es damals bei vielen Spielen üblich war. So wurde auch häufig bei uns das Interesse für solche Themen geweckt.
Monotone Phasen
Mit der Zeit hat man häufig ähnliche Handelsrouten, diese werden zwar mit der Nutzung der Konvois und durch Ereignisse wie die Bannung von Städten durch den Hansetag, Krankheiten oder die Ankunft der Gewürzflotte aufgeweicht, aber es gibt im Spiel dennoch einige sehr lukrativ Routen, die wir dann auch nutzen, damit wir genug Geld für unsere politischen Ambitionen erlangen. Dies wird repetitiv, da wir hier auch nichts automatisieren können.
Mehrspieler-Spaß
Alleine macht das Spiel viel Spaß und kann für Abende beschäftigen, aber besonders im Mehrspieler mit Freunden gab es fast nichts Schöneres, als den anderen die lukrativsten Handelsrouten streitig zu machen oder mit einem Freund gleichzeitig um das Bürgermeister-Amt einer Stadt zu streiten.

Der Patrizier - PC - 1992 - Anfang einer erfolgreichen Karriere als Pfeffersack.

Bacon wagt sich aus Lübeck in das Abenteuer als mittelalterlicher Patrizier. Der Anfang verläuft gut, Salz von Lübeck nach Osten und auf dem Rückweg nehmen wir Pelze mit. So werden wir auch schnell unsere Schulden los und verdienen dazu noch einiges.
Ich kümmere mich eigentlich nur darum, dass meine Stadt alles hat. Die anderen haben ja schließlich Geld für ihre Waren bekommen.
Portrait von Fjalk
Fjalk

Die Spiele-Archäologen Wertung zu Der Patrizier

Das Besondere war, dass es als Handelssimulation anfängt, aber durch die Machtaspekte auch eine Langzeitmotivation hat. Läuft die Wirtschaft erstmal, kann ich mich um Lager, Gilden, Ehe und Ämter kümmern. Es bleibt also auch im Endgame genug zu tun und nicht nur das Wiederholen der gleichen Schritte, wie in anderen Wirtschaftsspielen. Grafisch war es dazu schick und hatte nette Animationen.
Portrait von Bacon L'Orange
Bacon L'Orange: 8.5/10
Neben der umwerfend schön gestalteten Bildschirme, die die spätmittelalterlichen Städte lebendig machen, ist es vor allem das dynamische Handelssystem, das auf - zum Teil historische - Ereignisse in der Spielwelt reagiert und die Preise in den Städten beeinflusst.
Und auch, wenn man nicht das Endziel, den Posten des Aldermans, anstrebt, hat man genug mit der Optimierung seiner Handelsflotte und der Verwaltung der Kontore zu tun.
Darum ist das Spiel für mich an langen Abenden wie auch für ein kurzes Stündchen unterhaltsam, weil es immer etwas zu tun gibt.
Portrait von Fjalk
Fjalk: 8/10

Wertung der Spiele-Archäologen: 8.25/10 Punkten