Runaway: A Road Adventure

Ist es besser als die Spiele von Lucas Arts?

Runaway - Ist es besser als die Spiele von Lucas Arts? - Wir müssen reden

Fjalk und Bacon reden wir über Runaway: A Road Adventure der spanischen Pendulo Studios und klären dabei die folgenden Fragen:

  • Ist es ein würdiger Nachfolger der LucasArts-Adventures?
  • Funktioniert der Humor und die Darstellung der Charaktere auch noch nach mehr als 25 Jahren?
  • Was ist denn bitte ein Vademekum?
  • Und warum sich Brian am Ende für die falsche Frau entscheidet

In dieser Episode sprechen wir eingehend über "Runaway: A Road Adventure" von den Pendulo Studios, einen Titel, der seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2001 viele Diskussionen ausgelöst hat. Wir trennen die Spreu vom Weizen und erörtern, ob das Spiel als würdiger Nachfolger der klassischen LucasArts Adventures angesehen werden kann. Wir werfen einen kritischen Blick auf die Charaktere und deren humorvolle Darstellung, die trotz mehr als 25 Jahren eine erhebliche Diskussion anregen. Die Frage, ob diese Darstellungen noch zeitgemäß sind, wird ebenso beleuchtet wie die Entscheidung des Hauptcharakters, Brian, am Ende die falsche Frau zu wählen.

Wir beginnen damit, die grundlegenden Elemente des Spiels zu definieren: "Runaway" ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure, das zwar in einer modernen Steuerung daherkommt, aber an manchen Stellen nicht so gut gealtert ist. Die Charaktere bewegen sich durch wunderschön gezeichnete Hintergründe und interagieren mit der Umgebung, was typisch für das Genre ist. Trotz seiner technischen Vorzüge sind wir uns einig, dass einige der Charaktere stark von Stereotypen geprägt sind, was sich auf den Humor und die Erzählweise auswirkt. Dabei fällt auf, dass einige Witze und Dialoge aus heutiger Sicht fragwürdig erscheinen.

Wir kommen auch auf die Story des Spiels zu sprechen, die sich um Brian, einen Physiker, und seine unerwartete Begegnung mit der Tänzerin Gina dreht. Durch einen Unfall werden sie in eine gefährliche Situation verwickelt, die sie in eine chaotische Verfolgungsjagd durch die USA zwingt. Wir diskutieren die Handlung und die verschiedenen Wendungen, die sie durchläuft, sowie die daran beteiligten Charaktere, die oft nicht die Tiefe erreichen, die wir uns wünschen würden. Besonders die Hilflosigkeit von Gina und die klischeehafte Darstellung von Nebenfiguren, wie den Mafia-Killern und den Transvestiten, wird kritisch betrachtet.

Im Weiteren gehen wir auch auf die grafische Gestaltung und die Animationen des Spiels ein. Die Mischung aus 2D-Hintergründen und 3D-Charakteren hat zum Teil gut funktioniert, aber auch ihre Schwächen – wie die suboptimalen Cutscenes – zeigen sich. Zudem wird die Soundkulisse behandelt, die sowohl musikalisch als auch durch die Sprachausgabe in Deutsch überzeugt, obwohl sie nicht lippensynchron ist und die Stimmen teilweise nicht perfekt zu den Charakteren passen.

Schließlich erfolgt eine Diskussion über die Rätsel und das Gameplay. Wir sind uns einig, dass viele der Rätsel logisch und gut konstruiert sind, jedoch oft durch die pixelgenaue Suche erschwert werden, was frustrierend sein kann. Besonders die Notwendigkeit, Gegenstände mehrfach zu untersuchen oder in einer bestimmten Reihenfolge zu verwenden, wird als störend empfunden.

Spielname
Runaway, Runaway: A Road Adventure
Jahr
2001
Firmen
Digital Tainment Pool, Dinamix, Pendulo Studios
Personen
Ramon Hernaez, Rafael Latiegui Anton, Felipe Gomes Pinilla
Plattformen
PC
Der Startbildschirm des Spiels Runaway

Wertungskasten

PC Games Ausgabe: 1/03 Wertung: 83%
Gamestar Ausgabe: 1/03 Wertung: 84%
Was alles passieren kann, wenn man auf dem Weg zu einem neuen Job ist, zeigten uns die spanischen Entwickler von den Pendulo Studios in ihrem Adventure von 2001.
Runaway nimmt uns mit auf die Suche von Brian und Gina nach Hinweisen auf einen Schatz, den sich auch die Mafia unter den Nagel reißen will.
So treffen die beiden nicht nur auf zum Teil skurrile Charaktere, die ihnen mal mehr und mal weniger dabei helfen sich durch die sechs Kapitel des Spiels zu rätseln, sondern sind auch noch auf der Flucht vor zwei Killern, die ihnen an den Kragen wollen.
Die Rätsel im Spiel sind zwar größtenteils logisch, aber das Finden der einzelnen Gegenstände gestaltet sich manchmal als sehr anstrengend, da es keine Funktion gibt, die Objekte, mit denen man interagieren kann, hervorhebt. So muss man manche Räume oder Gebiete teilweise Milimeter für Milimeter absuchen, um nichts zu übersehen.
Der Plot ist zwar nicht sonderlich neu und die Auflösung bzw. das Ende mag auch ein wenig enttäuschend sein, dafür ist das Spiel solide gemacht und die Grafik – die Zwischensequenzen vielleicht ausgenommen – wirklich schön anzusehen.
Schön wäre es gewesen, wenn das Spiel die beiden Hauptcharaktere wirklich genutzt hätte und wir nicht nur Brian gesteuert hätten.
Portrait von Bacon L'Orange
Bacon L'Orange
Der Witz des Spiels zündet teilweise nicht mehr, war auch damals schon nicht mehr zeitgemäß.
Portrait von Bacon L'Orange
Bacon L'Orange

Runaway : A Road Adventure - PC - 2001 - Intro und Anfang des Spiels

Bacon spielt den Anfang des Spiels Runaway: A Road Adventure, wo wir erleben, wie Brian auf dem Weg nach Kalifornien die Sängerin Gina anfährt, welche vor Kriminellen flieht und landen dann mit ihr im Krankenhaus, wo sie uns erzählt, was passiert ist.

Deutsche Version und Probleme unter aktuellen Windows-Versionen

Ein Spiel von 2001 (beziehungsweise 2002 für die deutsche Version) unter aktuellen Windows-Versionen zum Laufen zu bringen, kann zu Problemen führen. So auch bei Runaway. Die GoG-Version bietet von sich aus keine deutschen Texte und keine deutsche Sprachausgabe und unter aktuellen Windows-Versionen kann es zu grafischen Problemen kommen, welche das Spiel quasi unspielbar machen. Für beides gibt es Lösungen, denen wir einen eigenen Hilfe-Artikel gewidmet haben.

Sehen wir nur Highlights auf der Reise?

Bei einem Point’n Click Adventure aus den 2000er kommt es automatisch zu vergleichen, zum Beispiel mit den Klassikern von LucasArts oder mit Baphomeths Fluch. Wenn wir Runaway mit diesen Spielen vergleichen, so finden wir etliche gute Punkte, aber auch ein paar Schwächen werden sichtbar.
Schön gestaltete Schauplätze
Ob Stadt, Wüste oder Bar, ob Halle, Caravan oder anderer Schauplatz. Diese sind definitiv sehr schön gezeichnet und enthalten auch viele kleine schöne Details.
Point’n Click Feeling, wie man es kennt
Ob wir nun im Inventar Gegenstände kombinieren müssen oder mischen oder in Dialogen die richtigen Antworten geben, das ist alles nichts Neues, aber sehr gut umgesetzt. Wer in Spielen wie Day of the Tentacle oder Sam & Max versunken ist, der bekommt hier genau das gleiche Prinzip geboten.
Charaktere mit Persönlichkeit
Viele der Charaktere haben gewisse Macken, wie Gina, Brian oder die etlichen weiteren Charaktere. Durch die Überzeichnung bleiben diese für längere Zeit im Gedächtnis.
Deutsche Synchronisation und Übersetzung
Die meisten der Charaktere sind gut besetzt und auch die Übersetzung ist gut gelungen. Wir können froh sein, dass sich DTP gefunden hat und für die Übersetzung sorgte, sonst hätten wir hier etwas verpasst.
Wir können nicht sterben
Sieh dir das an Sierra. Man muss in einem Point’n Click nicht sterben!
Kino-Atmosphäre
Die Zwischensequenzen bringen die Geschichte in längeren Passagen voran. Leider sind diese teilweise zu lang, besonders zu Beginn müssen wir erstmal mehrere Minuten Intro über uns ergehen lassen, bis wir zum ersten Mal selbst eingreifen dürfen.
In den Zwischensequenzen wirken auch die in 3D-gehaltetenen Charaktere teilweise nicht gut eingebunden. Es wirkt zum Teil so, als wären hier nicht die finalen Grafiken verwendet worden.
Die Story-Wendung
Zu Beginn scheint es, als wären wir einem großen Mysterium auf der Spur. Das Spiel hält dies auch sehr lange, bis es zu einem Plot-Twist kommt, der uns einfach ein bisschen enttäuscht hat, da es im Endeffekt doch nur um viel Geld geht und nicht darum, einen verschollenen Indianerstamm und dessen Geistern zu helfen.
Pixel-Hunting
Die Schauplätze sind sehr schön gestaltet, aber zum Teil müssen wir hier wirklich wenige Pixel-große Gegenstände finden und diese anklicken. Das kann auf Dauer anstrengend sein.
Stereotype und klischeehafte Darstellung
Charaktere wie Gina oder die Transvestiten werden sehr oberflächlich dargestellt. Hier wurde viel Potenzial vergeben, vor allem da wir Gina immer nur Retten müssen, sie selbst aber kaum etwas für den Fortschritt der Handlung beiträgt, sie ist einfach nur die „Damsel in Distress“ in einem sehr knappen roten Kleid.
Der Humor
Die Witze wirken damals schon zum Teil lahm, mit über 20 Jahren Abstand hat sich das nicht gebessert. Dies trifft aber nicht auf alle Witze zu, nur einge sind einfach aus der Zeit gefallen.
Chance mit zweitem Charakter vertan?
Schon frühere Point’n Click Adventures haben teilweise dem Spieler den Wechsel zwischen mehreren Charakteren geboten. Das Spiel hat diese Chance leider nicht genutzt, besonders Rätsel mit Gina hätten dafür gesorgt, dass Gina als Charakter wesentlich mehr Tiefe hätte bieten können.
Rätsel-Logik
Zum Teil müssen wir Gegenstände wie Taschen mehrfach untersuchen. In einigen Fällen bringt das erneute Untersuchen aber erst etwas, wenn wir vorher etwas anderes gemacht haben. Dies führt dazu, dass wir einige Gegenstände halt immer wieder von Zeit zu Zeit untersuchen.

Liquor - Runaway (Main Theme)

Das Musikvideo mit dem Titelthema von Liquor, ein wilder, aber interessanter Mix, passend zum Spiel.

Die Spiele der Pendulo Studios

Die Pendulo Studios wurden 1994 in Madird von Rafael Latiegui, Ramon Hernaez und Felipe Gomes Pinilla gegründet und entwickelten von Anfang an Point’n Click Adventures. Das Studio wurde leise im Jahr 2025 geschlossen, nachdem vorher schon ein Großteil der Entwickler entlassen wurde. Die ersten beiden Spiele Igor und Hollywood Monsters erschienen nur auf Spanisch. Runaway war das erste Spiel was (wenn auch nicht direkt) mehrsprachig erschien. Da der Publisher des Studios pleite ging, schien eine Übersetzung in weiter Ferne. Da deutsche Spielemagazine schon viel über das Spiel berichtet hat, wurden Petitionen gestartet und dem Studio viele E-Mails geschickt. Der deutsche Publisher DTP sprang ein und brachte das Spiel dann vollständig übersetzt heraus.

Die Spiele-Archäologen Wertung zu Runaway: A Road Adventure

Wenn man das Spiel als Kind seiner Zeit betrachtet, dann war es zu einer Zeit, in der es kaum gute Point’n Click Adventures gab, ein Lichtblick.
Natürlich ist der Humor und die Darstellung Charaktere flach und sehr klischeehaft, aber es hat mir heute dennoch noch viel Spaß gemacht. Damals ein Top-Adventure in der dunklen Zeit des Genres.
Portrait von Bacon L'Orange
Bacon L'Orange: 8/10
Mir fehlt bei dem Spiel eigentlich nur die Prise guten Humors. Ansonsten kann man über die Steuerung und die Grafik nicht viel Schlechtes sagen. Die Handlung ist nicht herausragend, aber was soll’s. Nur das Ende finde ich nicht wirklich nachvollziehbar, aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.
Portrait von Fjalk
Fjalk: 7/10

Wertung der Spiele-Archäologen: 7.50/10 Punkten